Streitfälle auf dem Court: Linien, Kitchen, Netz
Die meisten Pickleball-Spiele laufen ohne Schiedsrichter. Das heißt: Ihr entscheidet selbst, was aus war, wer einen Fehler gemacht hat und wann wiederholt wird. Meistens klappt das wunderbar. Und wenn nicht, hilft es, die Regeln zu kennen, nach denen solche Fragen geklärt werden.
Alle Antworten haben wir am offiziellen Regelwerk von USA Pickleball (Ausgabe 2026) geprüft. Die Regelnummer steht jeweils in Klammern. Streitfälle rund um den Aufschlag haben eine eigene Seite: die Aufschlag-Regeln.
Der Grundgedanke hinter allem: Im Zweifel bekommt der Gegner den Vorteil. Wer das verinnerlicht, braucht die meisten Regeln auf dieser Seite gar nicht nachzuschlagen.
Linienentscheidungen
Wer entscheidet, ob der Ball aus war?
Jedes Team entscheidet über die Linien auf seiner eigenen Seite. Im Doppel dürfen beide Partner rufen. Zuschauer werden nie gefragt, auch wenn sie es gut meinen. (Regeln 8.A und 8.J)
Im Zweifel ist der Ball drin
„Aus“ darfst du nur rufen, wenn du eine Lücke zwischen Ball und Linie klar gesehen hast. Alles, was du nicht sofort und sicher als aus erkennst, ist drin. Ein Ball auf der Linie ist also immer gut. (Regeln 8.D und 8.E)
Der Aus-Ruf muss sofort kommen
Rufe „aus“ laut, zeige es mit der Hand oder beides, und zwar sofort. Spielst du den Ball trotzdem zurück, muss dein Ruf kommen, bevor der Gegner ihn wieder schlägt. Sonst geht der Ballwechsel weiter. (Regel 8.F)
„Lass ihn!“ ist kein Aus-Ruf
Ruft dir dein Partner zu, während der Ball noch in der Luft ist, etwa „Lass ihn!“ oder „Aus!“, ist das eine Absprache im Team und keine Linienentscheidung. Der Ballwechsel läuft weiter, bis der Ball aufkommt. (Regel 8.F.4)
Du und dein Partner seid euch uneinig
Sieht einer den Ball drin und der andere aus, gilt der Ball als drin. (Regel 8.H)
Den Gegner fragen
Du hast den Ball nicht gut gesehen? Dann darfst du den Gegner fragen, und zwar bis zum nächsten Aufschlag. Sagt er klar „drin“ oder „aus“, gilt seine Entscheidung. Danach kannst du dich nur noch zu deinem eigenen Nachteil korrigieren. (Regel 8.I)
Die eigene Entscheidung korrigieren
Du hast „aus“ gerufen und merkst, dass der Ball doch drin war? Du darfst deinen eigenen Ruf und den deines Partners jederzeit zu eurem Nachteil ändern. Fair ist das ohnehin. (Regel 8.G)
Fehler ansagen
Welche Fehler darfst du beim Gegner ansagen?
Nur zwei: Kitchen-Fehler und Fußfehler beim Aufschlag. Seid ihr euch zwischen den Teams nicht einig, wird der Ballwechsel wiederholt. (Regel 9.B.3)
Glaubst du, der Gegner hat einen anderen Fehler gemacht, etwa einen Doppelschlag oder eine Netzberührung, darfst du ihn nach dem Ballwechsel darauf ansprechen. Die Entscheidung liegt aber bei ihm. (Regel 9.B.4)
Eigene Fehler sagst du selbst an
Wer selbst einen Fehler macht oder beim Partner einen sieht, sagt ihn an, und zwar sofort. Das ist im Freizeitspiel die Grundlage dafür, dass alles ohne Schiedsrichter funktioniert. (Regel 9.B.2)
Den Ballwechsel einfach stoppen
Wer einen laufenden Ballwechsel anhält, kassiert dafür einen Fehler. Ausnahmen sind eine Behinderung (siehe unten), ein falsch stehender Spieler und ein falsch angesagter Spielstand vor dem Return. (Regel 9.A.1)
Ein fremder Ball rollt aufs Feld
Das ist eine Behinderung, im Regelwerk „Hinder“ genannt. Jeder Spieler darf sie ausrufen, dann wird der Ballwechsel wiederholt. Dasselbe gilt für andere Störungen von außen, etwa Spieler vom Nachbarfeld, die durch euer Feld laufen. (Regel 9.C und Definition „Hinder“)
Kitchen
Der Partner hält dich fest
Du volleyst an der Kitchen-Linie, verlierst das Gleichgewicht, und dein Partner fängt dich auf, während er selbst in der Kitchen steht? Fehler. Alles, was beim Volley mit dir in Kontakt ist, zählt, auch dein Partner. (Regel 11.A.1)
Der Schwung trägt dich nach dem Volley in die Kitchen
Fehler, und zwar auch dann, wenn der Ballwechsel schon vorbei ist. Wer aus der Luft schlägt, muss seinen Schwung außerhalb der Kitchen abfangen. (Regel 11.A.2)
Aus der Kitchen raus und sofort volleyen
Warst du in der Kitchen, musst du mit beiden Füßen wieder draußen stehen, bevor du den nächsten Ball aus der Luft nimmst. (Regel 11.A.3)
Mehr zur Non-Volley-Zone findest du auf unserer Seite zur Kitchen-Regel.
Netz und Körper
Du berührst das Netz
Solange der Ball im Spiel ist, dürfen weder du noch dein Paddle oder deine Kleidung das Netz oder die Netzpfosten berühren. Sonst ist es ein Fehler. Ist der Ballwechsel vorbei, ist eine Berührung egal. (Regel 13.G)
Über das Netz greifen
Mit Paddle oder Körper über die Netzebene zu kommen, ist nur nach dem Schlag erlaubt, als Teil der Schlagbewegung. Wer schon vorher hinübergreift, begeht einen Fehler. (Regel 13.I.1)
Der Ball trifft die Netzstange
- Trifft dein Ball die Netzpfosten oder die Halterung auf deiner Seite, bevor er übers Netz geht, ist es ein Fehler.
- Geht er übers Netz und trifft dann eine Querstange oder einen anderen Teil des Netzsystems im gegnerischen Feld, wird der Ballwechsel wiederholt. (Regel 13.B)
Der Ball trifft dich, obwohl er ins Aus geflogen wäre
Ein Klassiker: Du stehst weit hinten, der Ball fliegt klar ins Aus und trifft dich vorher am Körper. Dein Fehler. Ein Ball, der dich trifft, bevor er aufspringt, zählt gegen dich, egal wo er gelandet wäre. Ausnahme ist nur die Schlaghand unterhalb des Handgelenks, die zum Paddle zählt. (Regel 10.C.3)
Pro-Tipp
Der einfachste Weg zu fairen Spielen: Ruft klar, ruft schnell, und wenn ihr unsicher seid, gebt den Punkt dem Gegner. Genau so ist das Regelwerk gemeint, und so bleibt Pickleball auch ohne Schiedsrichter entspannt.
Mehr Regelwissen
Noch mehr Überraschendes vom Doppelschlag bis zum Schlag um den Netzpfosten findest du bei den 12 überraschenden Pickleball-Regeln. Alles zum Aufschlag klären die Aufschlag-Regeln, und die Basics stehen in den Grundregeln.
